Bild von Adventskranz mit zwei brennenden Kerzen

Es ist wohl eines der eindrucksvollsten Adventslieder, die wir kennen:

O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf.
Reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab wo Schloss und Riegel für.

Der Liedtext wird dem Jesuiten Friedrich Spee zugeschrieben, der Anfang des 17. Jahrhunderts gelebt hat. Mit starken Worten ruft das Lied nach dem Erscheinen eines Erlösers. Er solle vom Himmel herabfließen, wie Regen aus den Wolken. Grün soll alles werden und Bäume sollen ausschlagen. Der ersehnte Heiland soll förmlich aus der Erde hervorspringen. Und dafür nennt das Lied auch gute Gründe. Von einem Jammertal ist später die Rede, von größter Not und Elend.

Der Dichter bezieht sich dabei auf die frühe Geschichte des Volkes Israel, welche in den Jahrhunderten vor der Geburt Jesu von Krieg und Vertreibung geprägt war. Seufzend haben die Propheten das Erscheinen eines Retters verkündet, der sein Volk in die Heimat führt und ihnen Frieden bereitet. Ein Heiland, der alle Tränen trocknet und alles heil macht, was falsch läuft, in der Welt.

Der Advent greift diese Hoffnung auf. Die grünen Zweige des Adventskranzes sind ein Zeichen dafür. Dort brennt heute schon die zweite Kerze. Auch im Speisesaal unseres Klosters, dem sogenannten Refektorium. In Jesus Christus, so glauben wir Christen, ist dieser Heiland bereits erschienen, und doch warten wir auf ihn. Mit ihm kommt das Reich Gottes in die Welt, aber noch ist es nicht ganz da. Eine Spannung, die wir aushalten müssen, auch daran erinnert uns dieses Adventslied.

Aber der Funke ist da: zwei kleine Flammen, die in der Dunkelheit dieser Tage leuchten. Christus kommt – das ist unsere Hoffnung. Er will in unsere Welt kommen, so wie damals vor 2000 Jahren. Dafür dürfen wir dankbar sein.

Vielleicht wollte man auch deshalb das Lied nicht mit Tod und Elend enden lassen. 1630, acht Jahre nach der ersten Veröffentlichung, wurde es um eine siebte Strophe erweitert. Sie lautet:

Da wollen wir all danken dir,
unserm Erlöser, für und für;
da wollen wir all loben dich
zu aller Zeit und ewiglich.

 

 

Text und Bild: Frater Elias Böhnert, Kloster Windberg
Liedtext: Friedrich Spee 1622, Gotteslob Nr. 231

 

Bild von Adventskranz am ersten Advent

In vielen Häusern stehen sie jetzt wieder: die Adventskränze mit ihren vier Kerzen. Sie stehen für die vier Sonntage im Advent. Auch bei uns im Kloster findet man sie. Das Bild zeigt den Adventskranz in unserer Sakristei. Dort treffen wir uns dreimal am Tag, um gemeinsam zu beten und zu singen. Wir tun dies in der Sakristei, weil unsere Kirche derzeit renoviert wird. Im kommenden Jahr soll sie wiedereröffnet werden.

Eine Übergangslösung also. Eine Zeit dazwischen, wie auch der Advent so eine Übergangszeit ist. Eine Zeit der Erwartung und der Hoffnung. Hoffnung auf ein friedliches Weihnachtsfest, auf ein paar ruhige und fröhliche Stunden mit lieben Menschen. Hoffnung auf Gott; dass er an Weihnachten nicht nur symbolisch in der Krippe unter dem Weihnachtsbaum Mensch wird, sondern ganz konkret in unserem Leben. Hoffnung darauf, dass dort eine neue Zeit anbricht, wo uns Sorgen bedrücken oder Unfrieden herrscht.

Gott will für uns Mensch werden! Er will in unser Leben kommen! Ganz konkret – nicht nur am Ende des Advents – nicht nur vorübergehend! Das will uns der Adventskranz sagen.

Was auch immer Ihre Wünsche und Hoffnungen sind, wir Prämonstratenser aus Windberg wünschen Ihnen eine gesegnete Adventszeit. Möge uns diese Zeit vorbereiten, dass Gott bei uns allen ankommen und Mensch werden kann.

 

Text und Bild: Frater Elias Böhnert, Kloster Windberg