Bild eines Adventskranz mit vier brennenden Kerzen

Irgendwie ist er anders, dieser vierte Advent. Irgendwie so kurz – schließlich ist der nächste Tag schon Heilig Abend. Es ist noch Advent, aber Weihnachten hat quasi schon den Fuß in der Tür. Die Einkäufe sind alle erledigt (zumindest im Idealfall) und an den Tagen heute und morgen werden die Christbäume und Wohnungen festlich geschmückt.

Auch bei uns im Kloster merken wir das. Die ganze Woche schon singen wir beim Morgengebet einen sehr alten Hymnus, in dem es heißt:

„Schon leuchtet deine Krippe auf,
es haucht die Nacht ein neues Licht,
das keine Nacht mehr trüben kann,
das stehts im Glauben uns erhellt.“

Der Adventskranz brennt noch, doch wenn man genau hinsieht, kann man bereits die Figuren der Krippe erkennen. Die Krippe leuchtet auf. Weihnachten kommt. Freut euch!

Aber viele Menschen ärgern sich auch. Vielleicht weil die „stade Zeit“ wieder mal so gar nicht „stad“ war. Andere weisen darauf hin, dass Weihnachten leider gar nicht so magisch ist, wie uns Fernsehen und Werbung oft glauben machen wollen. Manche sagen, dass sie vieles dieses Jahr eigentlich anders machen wollten und es doch wieder nicht geschafft haben…

Und trotzdem: Gott wird Mensch oder: er ist Mensch geworden! Er wollte so sein wie du und ich. Nichts kann das ändern. Das Licht der Krippe leuchtet nicht weniger hell, nur weil wir Menschen Fehler machen oder weil unser Advent nicht so perfekt war. Vermutlich werden wir auch in Zukunft Fehler machen und unser Leben wird auch in Zukunft nicht perfekt sein. Doch der Glanz, der uns in den kommenden Tagen aufleuchtet, will unser Leben trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – hell machen. In einem anderen Adventslied heißt es deshalb:

„Noch manche Nacht wir fallen, auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld.
Erhellt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr;
von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her."

Deshalb dürfen wir uns an diesem Sonntag ruhig auf die wesentlichen Dinge konzentrieren: Weihnachten kommt. Die Krippe leuchtet auf. Freut euch!

Egal mit welchen Gefühlen Sie in die kommenden Feiertage gehen, wir vom Kloster Windberg wünschen Ihnen einen schönen vierten Adventssonntag und einen guten Endspurt auf Weihnachten hin.


 

Text und Bild: fr. Elias Böhnert

Liedzitate: „Du Heiland aller Völker komm“ – Ambrosius von Mailand (4. Jahrhundert), GL 227; „Die Nacht ist vorgedrungen“ – Jochen Klepper (1938), GL 220

Bild aus der Kirche als Bautelle mit drei brennenden Kerzen
Heute ist der dritte Advent und an unseren Adventskränzen brennt die dritte Kerze. Doch einen solchen Kranz sucht man bei uns in der Kirche vergeblich; dort ist immer noch Baustelle. Der Altar, der im kommenden Jahr geweiht werden wird, befindet sich noch unter einer Holzverkleidung und dort, wo sonst Ministranten ihren Dienst tun, kann man Handwerker und Maler bei der Arbeit sehen. So freuen wir uns jetzt schon, wenn wir im kommenden Jahr unsere Kirche wiedereröffnen können.

Der heutige Sonntag wird auch gerne als Gaudete-Sonntag bezeichnet. Gaudete, das bedeutet „freut euch!“ Denn der Apostel Paulus schreibt: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Denn der Herr ist nahe.“ (aus Phil 4)
Der Herr ist nahe, Weihnachten steht quasi schon vor der Tür. Darüber dürfen wir uns freuen. Und wenn wir mit offenen Augen durchs Leben gehen, werden wir viele kleine Dinge finden, über die man sich täglich freuen kann.

Allerdings fällt es vielen Menschen schwer ihre Freude auf angemessene Art und Weise zu zeigen. Der heutige Sonntag hingegen, würde uns dazu eine gute Gelegenheit bieten. Vielleicht gibt es da jemanden, den man heute mal wieder anrufen, der oder dem man schreiben könnte, einfach um zu sagen: Ich freue mich, dass es dich gibt. Heute würde es sich anbieten, mal darüber nachzudenken, was mich wirklich froh macht oder wem ich eine Freude bereiten kann. So kann der heutige Sonntag wirklich zum Gaudete-Sonntag werden.

 

Text und Bild: fr. Elias, Kloster Windberg

 

Bild von Adventskranz am ersten Advent

In vielen Häusern stehen sie jetzt wieder: die Adventskränze mit ihren vier Kerzen. Sie stehen für die vier Sonntage im Advent. Auch bei uns im Kloster findet man sie. Das Bild zeigt den Adventskranz in unserer Sakristei. Dort treffen wir uns dreimal am Tag, um gemeinsam zu beten und zu singen. Wir tun dies in der Sakristei, weil unsere Kirche derzeit renoviert wird. Im kommenden Jahr soll sie wiedereröffnet werden.

Eine Übergangslösung also. Eine Zeit dazwischen, wie auch der Advent so eine Übergangszeit ist. Eine Zeit der Erwartung und der Hoffnung. Hoffnung auf ein friedliches Weihnachtsfest, auf ein paar ruhige und fröhliche Stunden mit lieben Menschen. Hoffnung auf Gott; dass er an Weihnachten nicht nur symbolisch in der Krippe unter dem Weihnachtsbaum Mensch wird, sondern ganz konkret in unserem Leben. Hoffnung darauf, dass dort eine neue Zeit anbricht, wo uns Sorgen bedrücken oder Unfrieden herrscht.

Gott will für uns Mensch werden! Er will in unser Leben kommen! Ganz konkret – nicht nur am Ende des Advents – nicht nur vorübergehend! Das will uns der Adventskranz sagen.

Was auch immer Ihre Wünsche und Hoffnungen sind, wir Prämonstratenser aus Windberg wünschen Ihnen eine gesegnete Adventszeit. Möge uns diese Zeit vorbereiten, dass Gott bei uns allen ankommen und Mensch werden kann.

 

Text und Bild: Frater Elias Böhnert, Kloster Windberg

 

Bild von Adventskranz mit zwei brennenden Kerzen

Es ist wohl eines der eindrucksvollsten Adventslieder, die wir kennen:

O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf.
Reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab wo Schloss und Riegel für.

Der Liedtext wird dem Jesuiten Friedrich Spee zugeschrieben, der Anfang des 17. Jahrhunderts gelebt hat. Mit starken Worten ruft das Lied nach dem Erscheinen eines Erlösers. Er solle vom Himmel herabfließen, wie Regen aus den Wolken. Grün soll alles werden und Bäume sollen ausschlagen. Der ersehnte Heiland soll förmlich aus der Erde hervorspringen. Und dafür nennt das Lied auch gute Gründe. Von einem Jammertal ist später die Rede, von größter Not und Elend.

Der Dichter bezieht sich dabei auf die frühe Geschichte des Volkes Israel, welche in den Jahrhunderten vor der Geburt Jesu von Krieg und Vertreibung geprägt war. Seufzend haben die Propheten das Erscheinen eines Retters verkündet, der sein Volk in die Heimat führt und ihnen Frieden bereitet. Ein Heiland, der alle Tränen trocknet und alles heil macht, was falsch läuft, in der Welt.

Der Advent greift diese Hoffnung auf. Die grünen Zweige des Adventskranzes sind ein Zeichen dafür. Dort brennt heute schon die zweite Kerze. Auch im Speisesaal unseres Klosters, dem sogenannten Refektorium. In Jesus Christus, so glauben wir Christen, ist dieser Heiland bereits erschienen, und doch warten wir auf ihn. Mit ihm kommt das Reich Gottes in die Welt, aber noch ist es nicht ganz da. Eine Spannung, die wir aushalten müssen, auch daran erinnert uns dieses Adventslied.

Aber der Funke ist da: zwei kleine Flammen, die in der Dunkelheit dieser Tage leuchten. Christus kommt – das ist unsere Hoffnung. Er will in unsere Welt kommen, so wie damals vor 2000 Jahren. Dafür dürfen wir dankbar sein.

Vielleicht wollte man auch deshalb das Lied nicht mit Tod und Elend enden lassen. 1630, acht Jahre nach der ersten Veröffentlichung, wurde es um eine siebte Strophe erweitert. Sie lautet:

Da wollen wir all danken dir,
unserm Erlöser, für und für;
da wollen wir all loben dich
zu aller Zeit und ewiglich.

 

 

Text und Bild: Frater Elias Böhnert, Kloster Windberg
Liedtext: Friedrich Spee 1622, Gotteslob Nr. 231